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37° Fremde Nachbarn
Muslime zwischen Isolation und Integration

Ali K. ist siebzehn und lebt seit seiner Kindheit mitten zwischen türkischen und arabischen Einwanderern in Neukölln. Der junge Türke hat keinen Schulabschluss und weiß momentan nicht genau, was er mit seiner Zukunft anfangen soll. Sein Alltag ist geprägt von Konflikten zwischen den Bandenkriegen im Kiez und selbstkomponierter Rap-Musik. Täglich geht Ali in eine kleine Moschee im dritten Hinterhof eines alten Gebäudes, hilft dort seinem Vater, einem Imam, beim Koranunterricht und bleibt in der Regel in der Moschee bis nach dem Nachmittagsgebet. "Wenn ich nicht so viel Zeit dort wäre, würde ich sicherlich jeden Tag mit meinen Freunden krumme Sachen machen", sagt er. Für Jugendliche wie Ali bieten islamische Vereine ein breites Spektrum von Freizeitangeboten: vom Ferienlager im Sommer über Koran- oder Arabischkurse bis hin zur Jobvermittlung. Bekannt ist der Verein Milli Görüs, die bei weitem größte islamistische Organisation in Deutschland. Laut Verfassungsschutzbericht betreibt sie "eine faktisch desintegrative Jugendarbeit. Dies und ihre nur vorgeblich auf Integration zielende Politik fördern," heißt es ferner im gleichen Bericht, "islamistische Milieus in unserem Land."
Diese Entwicklung fürchten mittlerweile immer mehr Menschen in unserem Land. Der Ägypter Chaban S. wartet bislang vergeblich auf eine Baugenehmigung für ein großes islamisches Zentrum in Berlin. Nach seinen Vorstellungen soll dazu eine Moschee gehören, ferner zahlreiche Räume für ein Kulturzentrum. Für den jungen Ägypter soll es "nicht nur ein Treffpunkt für Muslime" werden, sondern "in erster Linie ein Ort des interreligiösen Dialoges". Die deutschen Behörden freilich sind anderer Meinung: Die Investoren, die dahinter stehen, sollen "Islamisten" sein.
Nicht nur der Bau neuer Moscheen oder islamischer Zentren, auch der Konflikt um das Kopftuch in der Schule oder die Teilnahme muslimischer Mädchen am Schwimmunterricht haben die Diskussion in den vergangenen Monaten mehr und mehr eskalieren lassen. Kann die Integration strenggläubiger religiöser muslimischer Mitbürger gelingen? Oder entsteht inzwischen auch in Deutschland eine islamische Parallelwelt, in der die Werte und Regeln einer modernen, mitteleuropäischen Gesellschaft letztlich ausgehebelt werden.
Der Streit um die Abschiebung des Islamistenführers Metin Kaplan in Köln hat diesen Dauerkonflikt nun noch verschärft. In dieser aufgeheizten Situation sprach ZDF-Autorin Chiara Sambuchi mit Muslimen, die sich entschieden haben zwischen Integration und Isolation. Die Mehrheit hat längst ihr zu Hause in Deutschland gefunden.
In dieser Debatte kommen ferner die Frauenrechtlerin und Anwältin Seyran Ates, der Verfassungsrechtler und Islamwissenschaftler Prof. Mathias Rohe und der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber zu Wort.
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